Lejf auf Wanderschaft

ein Geselle für 10 Tage

Lejf, der fremde Schmied aus dem freien Begegnungsschacht war unser erster Wandergeselle -                    
                   für uns eine tolle Bereicherung:

18.02.2005:
Tiefster Winter war in Karsdorf eingezogen. Willi Woggon stand am warmen Schmiedefeuer, als da vor der Schmiede ein stattlicher junger Mann stand, einen Vers erzählte und um Eintritt bat.

Die ersten Worte verstand der Meister nicht - bis das Ränzlein zum Vorschein kam.
Da war alles klar.   Ein Wandergeselle bat um Anstellung.

Lejf kam von der Nordsee, genauer gesagt aus Kiel,
um 3 Jahre und 1 Tag lang auf Wanderschaft zu gehen und die verschiedensten Arbeiten des Schmiedens zu erlernen. Fündig wurde der “fremde Schmied” auf unsere Schmiede, da er in Leipzig einen Steinmetz-
wandergesellen getroffen hatte, der ihm unsere Werkzeugschmiede wärmstens ans Herz legte.

“Wenn du Steinmetzwerkzeuge schmieden willst, dann musst du zum Woggon in Karsdorf gehen.”

Um nach Karsdorf zu kommen, wurde er über Halle nach Berlin geschickt, um dann schließlich aus dem Internet unsere Adresse zu erfahren.

Ein Wandergelle fährt nicht mit Bus oder Bahn,
er bewegt sich zu Fuß fort oder trampt.
Nun stand er da, unser erster Wandergelle,
der uns gleich sympatisch war.

Willi Woggon führte ihn durch unsere Werkstatt,
was für Lejf von größtem Interesse schien.
Leider hatten wir zu dieser Zeit im Winterloch
selbst wenig Arbeit für Gesellen.

Doch gleich wieder fortschicken, das brachten wir nicht übers Herz. So quartierten wir ihn in ein leerstehendes Zimmer unserer Tochter Martina ein. Der erste Abend wurde ziemlich lang, denn alle Familienmitglieder kamen zusammen, um Lejf kennen zu lernen und über die Wanderschaft zu erfahren.

Anfänglich wollte Lejf 3 Tage bei uns bleiben,
damit er nicht den weiten Weg umsonst ertippelt hatte.
Am 2. Tag wurden die verschiedensten Werkzeuge
vom Meister vorgestellt und teilweise mit Lejf geschmiedet.
Lejf stellte sich sehr geschickt an Werkzeuge zu schmieden.

So nutzten wir die freie Zeit und den freien Arbeitsplatz
in der Flaute. Wir beschäftigten also den fremden
Schmied für eine Woche in unserer Werkstatt.
Tagsüber wurden Werkzeugrohlinge gefertigt und
zum Feierabend geübt, wie die Spezialwerkzeuge bei uns
fertig gestellt werden. Der Wandergeselle fragte den
Meister Löcher in den Bauch. Dieser nahm sich die Zeit,
alles genau zu erklären und vorzuschmieden.

Denn:    Schmied ist nicht gleich Schmied!”

Bei unserer Produktion muss der Schmied auch einen großen Einblick haben, welche Steine mit welchem Werkzeug bearbeitet werden. Der Schmied muss mit dem Steinmetz und dem Bildhauer eng zusammenarbeiten.

In dieser Woche fertigte sich Lejf einen Satz Steinmetz- und Bildhauerwerkzeuge, die er nach Hause schicken konnte. Nur den selbst geschmiedeten Schmiedehammer trägt er stets in seinem Bündel durch die weite Welt.
Wir hoffen, dass er ihm viel Glück bringt und
immer zu schönen Arbeiten dienen kann.

Unsere Großfamilie integrierte ihn total.
So wurde er gleich zum ersten Wochenende von unseren drei großen Mädchen und ihren Freunden zur Disko mitgenommen. Er war dort ein Exot und bekam von allen Seiten Freibier.

Auch eine große Geburtstagsfeier unserer jugendlichen Bande mit unserem kleinen Schmiedesohn Peter konnte er miterleben,
die dann mit einer tollen Schlittenfahrt
auf unserer Dorfstraße endete.

Die Zeit ging viel zu schnell vorbei.

So ging es für Lejf nach reichlich einer Woche
in Kluft und Melone auf zur nächsten Herausforderung
in Richtung Süden.

Was uns allen bleibt - wunderschöne Erinnerungen!

Die Walz ist ein jahrhundertealtes Brauchtum, das bis ins Mittelalter zurückreicht.
Es bezeichnet das zünftige Reisen von Handwerkern.

“Dies zu unterstützen steht natürlich auch in unserer Handwerkerehre!”